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Alte Fotos restaurieren: mit KI, Programm oder vom Profi

KI macht alte Fotos scharf, kann dabei aber ein anderes Gesicht erfinden. Was Studien zeigen, was jeder Weg kostet und wie Sie das Original schützen.

Von der Redaktion · Aktualisiert am

Kurz gesagt

Staub, Kratzer und Farbstiche lassen sich günstig korrigieren, im Labor ab 0,06 Euro pro Bild. Fehlende oder verblichene Gesichter sind etwas anderes: KI erzeugt dort ein passendes Gesicht, nicht das echte, und das sieht man dem Ergebnis nicht an. Behalten Sie den unbearbeiteten Scan, kennzeichnen Sie die KI-Version und zeigen Sie sie jemandem, der die Person kannte.

Wir haben keines dieser Programme und keinen dieser Dienste getestet. Diese Seite stützt sich auf Studien, Preislisten und Nutzungsbedingungen.

Korrigieren oder erfinden: die entscheidende Frage

Alle Angebote heißen „Restaurierung“. Technisch tun sie aber zwei verschiedene Dinge. Der Entwurf der US-Bundesbehörden FADGI vom September 2026 trennt das sauber: Bei „KI-gestützt“ soll sich am Inhalt nichts ändern, zum Beispiel bei Farbbalance oder Rauschen. Bei „KI-verändert“ entsteht neuer Inhalt auf Basis einer Vorlage, zum Beispiel wenn generatives Füllen eine beschädigte Stelle ersetzt.

SchadenWas passiertGeeigneter Weg
Staub, feine KratzerkorrigierenLabor, Programm
Blass, Farbstichkorrigieren, mit AugenmaßLabor, Programm, bei Einzelbildern Profi
Riss, Knickteils erfindenProgramm, Profi
Gesicht unscharf oder kleinerfindenKI nur mit Vorsicht, Profi fragen
Teil des Bildes fehlterfindenProfi, oder als Rekonstruktion kennzeichnen
Schwarzweiß zu Farberatennur mit Wissen von Zeitzeugen

Die Zuordnung stammt von uns. FADGI ordnet zum Beispiel das Kolorieren selbst nicht ein.

Was die Forschung zu KI-Gesichtern sagt

Wir haben keine Studie gefunden, die solche Programme an echten alten Familienfotos prüft. Alle Zahlen stammen aus simulierten Schäden an modernen Gesichtern. Sie zeigen aber das Prinzip.

Das Gesicht kann ein anderes werden. Norman und Farid von der UC Berkeley (2024) prüften 12 Programme mit rund 491.000 echten Gesichtern und Gesichtserkennung. Bei vierfach verkleinerten Bildern lag die Trefferquote eines der beiden Erkennungssysteme ohne Bearbeitung bei 74 Prozent. Mit Bearbeitung reichte sie je nach Programm von 58,7 bis 81,6 Prozent. Das Programm entschied also, ob es besser oder schlechter wurde. Bei achtfacher Verkleinerung erzeugte CodeFormer scharfe Gesichter, die offenbar eine andere Person zeigten. Die Autoren fanden keinen Weg, das am Ergebnis zu erkennen.

Fehlt viel, wird viel erfunden. Cooper und Farid (UC Berkeley, Vorabveröffentlichung März 2026) ließen ChatGPT, Gemini und Grok die verdeckte untere Hälfte von Gesichtern ergänzen. Auf einer Ähnlichkeitsskala, auf der dieselbe Person bei 0,71 und Fremde bei 0,04 lagen, erreichten die Ergebnisse 0,34 bis 0,52. Mehrere Durchläufe am selben Gesicht ergaben unterschiedliche Werte.

Nicht jedes Gesicht wird gleich behandelt. Ohayon, Elad und Michaeli vom Technion (2024) fanden bei gängigen Modellen, dass junge nicht-asiatische Gesichter am besten abschnitten. Norman und Farid fanden dagegen kein systematisches Muster nach Herkunft oder Geschlecht bei den erfundenen Merkmalen. Die beiden messen Verschiedenes, die Lage ist nicht einheitlich. Ein Hinweis aus dem deutschsprachigen Raum: Das Brenner-Archiv der Universität Innsbruck schreibt 2026 bei einem Versuch zur Gesichtssuche, viele Modelle seien vor allem mit modernen Farbfotos trainiert, weshalb ältere Schwarzweißbilder eine Herausforderung seien.

Es kann auch die Erinnerung ändern. In einer Vorabveröffentlichung von 2024, an der die Gedächtnisforscherin Elizabeth Loftus beteiligt war, erhöhten KI-bearbeitete Bilder bei 200 Teilnehmenden falsche Erinnerungen, KI-Videos daraus am stärksten. Um Familienfotos ging es dort nicht.

Was folgt daraus für Sie? Ein scharfes Ergebnis sagt nichts über seine Richtigkeit. Niemand außer der Familie kann prüfen, ob das Kinn des Großvaters stimmt. Machen Sie deshalb den Oma-Test: Legen Sie Original und KI-Version jemandem vor, der die Person gekannt hat. Und je besser der Scan, desto weniger muss die Software erfinden. Das ist unsere Folgerung aus den Ergebnissen, kein getesteter Befund an alten Fotos.

Farben: warum ein Filter nicht reicht und KI nur rät

Verblichene Farben. Ein Farbstich sieht aus wie eine einfache Sache, ist es aber nicht. Gschwind und Frey von der Universität Basel (1997) erklären: Das Ausbleichen lässt sich chemisch nicht umkehren, jede Reparatur erzeugt also ein neues Bild. Jeder der drei Farbstoffe bleicht anders, oft geht ein fester Betrag verloren statt eines Anteils, und die Schäden unterscheiden sich von Bild zu Bild. Ein Filter verschiebt aber alle Farben gleich. Das erklärt, warum Automatik bei manchen Dias gut und bei anderen schlecht aussieht. Mit einem solchen Rechenmodell rettete das Basler Labor 1994 die Kodachromes von Ella Maillart aus den Jahren 1937/38. Auch später schrieb Gschwind, ein Mensch müsse das Ergebnis beurteilen. Warum Kodachrome und Ektachrome unterschiedlich altern, steht unter Diaformate erkennen.

Schwarzweiß kolorieren. Hier wird es grundsätzlich: Aus einem Grauwert folgt keine bestimmte Farbe. Richard Zhang, einer der Pioniere, erklärt das bei Scienceline (2021) am Beispiel eines Hemdes: Das System muss raten. Sein Modell von 2016 täuschte in 32 Prozent der Versuche Menschen, die echte von kolorierten Bildern unterscheiden sollten. Das misst Glaubwürdigkeit, nicht Wahrheit. Die GFPGAN-Autoren räumen selbst ein, dass die Gesichtsfarbe bei Graustufen-Vorlagen verzerrt sein kann. Eine Studie mit einer historischen Trefferquote haben wir nicht gefunden. Das rote Auto kann auch grün gewesen sein. Fragen Sie, solange noch jemand es weiß.

Was jeder Weg kostet

Restaurierung: Beispiele aus veröffentlichten Preislisten, meist Ab-Preise · geprüft am 4. November 2026
AnbieterPreisWas dazugehört
MEDIAFIX, Labor0,06 € Nachbearbeitung je Dia oder Foto, 0,06 € Kolorierung je SchwarzweißfotoSerienkorrektur, keine Reparatur von Rissen
alte-fotos-restaurieren.de6,90 € je Foto (sonst 9,90 €)KI-Dienst, laut Anbieter in Sekunden
Twilight-Lineab 9,99 € je FotoNormale Schäden, Datei ohne Abzug
restauration-foto.de15 € geringe, 25 € erhebliche SchädenGrobe Übersicht, Digitalisieren extra
ArchivScan, Schweizab 25.00 je Einzelbild, Währung nicht angegebenStarke Schäden nach Angebot
Fotostudio Eidens-Holl, ÖsterreichBeispiele: 45 € und 125 €Mit Scan, Reinigung, Rissen, Tonwerten
Kerstin Huberab 85 € leicht, ab 140 € mittel, ab 200 € starkMit Digitalisierung und Neuabzug, laut Anbieterin Handarbeit
Camera Store, ZürichCHF 120 pro StundeRetusche, CHF 10 Einrichtung je Auftrag

Diese Preise sind schwer zu vergleichen. Fragen Sie: Ist der Scan enthalten, gibt es einen Abzug oder nur eine Datei, wer zahlt den Versand, und wird KI eingesetzt? Schicken Sie am besten Ihr schwierigstes Foto für ein Angebot. Bei fotosrestaurieren.de fanden wir auf derselben Seite zwei verschiedene Ab-Preise, 69 und 29 Euro, und haben den Anbieter deshalb nicht aufgenommen.

Einordnung nach unserer Rechnung: 85 Euro Handarbeit entsprechen rund 1.400 Laborkorrekturen zu 0,06 Euro. Das sind aber zwei verschiedene Leistungen. Unser Rat: Lassen Sie einfache Korrektur für die ganze Sammlung mitlaufen, und geben Sie nur die wenigen Bilder in Handarbeit, die der Familie wirklich etwas bedeuten. Die Auswahl erleichtert der Ratgeber Dias sortieren.

Programme und Apps: veröffentlichte Preise, nicht von uns getestet · geprüft am 4. November 2026
ProgrammPreisZu beachten
Adobe Photoshop25,99 € pro Monat im Jahres-AboFotografie-Abo mit Lightroom und Photoshop: 23,79 € pro Monat
Remini5 „Pro Cards“ 5,99 €App Store nennt nicht, was eine Karte leistet, Abo-Preis nicht belegt
Topaz Photo199 US-Dollar pro JahrKeine Euro-Preise auf der Seite
GFPGANFrei (Apache 2.0)Für den eigenen Rechner technisch anspruchsvoll
CodeFormerFrei für nichtkommerzielle NutzungRegler zwischen Schärfe und Nähe zum Original, warnt vor fremden Seiten

Für MyHeritage, Luminar und Google konnten wir keine aktuellen deutschen Preise lesen. MyHeritage nennt für den Photo Enhancer 10 kostenlose Bilder mit Logo. Schauen Sie vor einem Abo in Ihr eigenes Konto. Microsofts Superauflösung läuft laut Microsoft auf bestimmten Windows-11-PCs auf dem Gerät. Microsoft nennt das Modell „nicht generativ“, schreibt aber auch, es fülle fehlende Details auf. Diese beiden Aussagen muss man nebeneinander lesen.

Wer sieht Ihre Fotos?

Wir haben drei Richtlinien gelesen, weil gerade Fotos von Angehörigen und Kindern betroffen sind.

  • Remini (Richtlinie vom September 2026) löscht Uploads zur Verbesserung nach einem Tag und trainiert nur nach ausdrücklicher Zustimmung. Dieselbe Richtlinie nennt aber Black Forest Labs, Google und OpenAI als KI-Anbieter. Die App ist laut Richtlinie nicht für unter 16-Jährige gedacht, im App Store steht 4+.
  • MyHeritage (Richtlinie vom Juni 2026) verlangt das Einverständnis lebender Personen, bei Kindern das der Eltern. Zum Training mit Photo Enhancer und In Color steht darin nichts. Vorbildlich: MyHeritage markiert veränderte Fotos sichtbar mit einem Symbol.
  • Adobe (Bedingungen vom Oktober 2025) trainiert laut eigener Aussage keine generative KI mit Kundeninhalten.

Eine Aussage von Datenschutzbehörden oder Stiftung Warentest speziell zu solchen Apps haben wir nicht gefunden. Unsere Faustregel: Für Fotos Verstorbener gilt die DSGVO nicht (Erwägungsgrund 27), für das Schulfoto des lebenden Enkels ist ein Programm auf dem eigenen Rechner die vorsichtigere Wahl, und freie Modelle wie CodeFormer sind dafür technisch anspruchsvoll.

Was rechtlich gilt

Das ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

KI-Verordnung. Art. 50 gilt laut EU-Kommission seit dem 2. August 2026, rein persönliche Nutzung fällt aber nicht darunter. Ein privates Familienfoto müssen Sie also nicht kennzeichnen. Die Leitlinien der Kommission vom Juli 2026 ziehen eine bemerkenswerte Linie: Schwarzweiß in Farbe gilt als übliche Bearbeitung, eine wesentliche Veränderung des Gesichts dagegen muss der Anbieter maschinenlesbar kennzeichnen. Das Kolorieren, das am meisten rät, ist rechtlich also das Harmlosere. Das sagt aber nichts über die historische Richtigkeit. Das Wort „Restaurierung“ kommt in den Leitlinien nicht vor.

Veröffentlichen. Auch restaurierte Bilder unterliegen dem Recht am eigenen Bild (§ 22 KUG), bis 10 Jahre nach dem Tod über die Angehörigen. Wem die Rechte am Originalfoto gehören, zeigt der Ratgeber Alte Dias entsorgen oder aufheben?. Ob ein restauriertes Bild ein neues Werk ist, klärt keine Quelle, die wir gelesen haben.

So schützen Sie das Original

Die Coalition for Responsible AI in Genealogy gibt seit November 2025 drei einfache Regeln: immer kennzeichnen, immer die Quelle nennen, und das Ergebnis als Illustration behandeln, nicht als Beleg für Person, Ort oder Datum. Daraus ergibt sich unsere Routine:

  1. Scan unangetastet lassen. Er ist Ihr neues Original neben dem Dia. Wie Sie ihn sicher speichern, steht im Ratgeber.
  2. Kopie bearbeiten und klar benennen, etwa 1974_Oma_Gardasee_KI.jpg. Warum Sie immer von der Lieferdatei ausgehen sollten, zeigt unser Test unter JPEG oder TIFF?.
  3. Vergleichen. Original und Ergebnis nebeneinander, mit dem Oma-Test.
  4. Notieren, was verändert wurde, im Bildtext oder auf der Rückseite des Abzugs.
  5. Beides aufheben. In zwei Generationen weiß sonst niemand mehr, welche Version die echte ist.

Noch nicht gescannt? Der Preisrechner zeigt die Kosten, der Anbietervergleich die Labore. Und wer die restaurierten Bilder drucken möchte, findet alles Nötige unter Aus alten Dias ein Fotobuch machen.

Häufig gestellte Fragen

Kann KI alte Fotos wirklich wiederherstellen?

Sie erzeugt ein passendes Bild, keine Rekonstruktion. Forscher der UC Berkeley zeigten 2024 an simulierten Schäden, dass KI ein Gesicht in eine scheinbar andere Person verwandeln kann und dass man das dem Ergebnis nicht ansieht. Staub, Kratzer und Farbstiche sind weniger heikel als fehlende Gesichter.

Was kostet es, ein altes Foto restaurieren zu lassen?

In den Preislisten, die wir gelesen haben, von 9,99 Euro für ein Bild mit normalen Schäden als Datei bis ab 200 Euro bei starken Schäden mit Handarbeit. Reine Laborkorrektur kostet bei MEDIAFIX 0,06 Euro pro Bild, ersetzt aber keine Restaurierung.

Sind die Farben beim Kolorieren historisch richtig?

Das weiß niemand, auch die KI nicht. Aus einem Grauwert lässt sich die Farbe nicht eindeutig errechnen, Programme raten also plausibel. Eine Studie, die die historische Trefferquote misst, haben wir nicht gefunden. Fragen Sie Menschen, die dabei waren, und schreiben Sie es auf.

Muss ich KI-bearbeitete Familienfotos kennzeichnen?

Für rein private Nutzung gilt die Kennzeichnungspflicht aus Art. 50 der KI-Verordnung laut EU-Kommission nicht. Zur guten Praxis raten wir trotzdem, damit in zwei Generationen noch jemand weiß, was echt ist. Das ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Darf ich Fotos von Verwandten in eine KI-App hochladen?

Fragen Sie lebende Personen vorher. MyHeritage verlangt in seiner Richtlinie das Einverständnis lebender Personen, bei Kindern das der Eltern. Remini nennt Black Forest Labs, Google und OpenAI als KI-Anbieter, die Bilder verarbeiten. Bei Fotos von Kindern ist ein Programm auf dem eigenen Rechner die vorsichtigere Wahl.

Ist die Bearbeitung vom Scan besser als vom Foto mit dem Handy?

Ein guter Scan gibt der Software mehr echte Bildinformation, und je weniger vorhanden ist, desto mehr muss sie erfinden. In der Berkeley-Studie schnitten vierfach verkleinerte Bilder deutlich besser ab als achtfach verkleinerte. Fotos von Dias sollten deshalb hoch aufgelöst sein.

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