JPEG oder TIFF? Das richtige Dateiformat für Ihre Dias
Warum JPEG für die meisten Familien reicht, wann TIFF den Aufpreis wert ist und was Archive wirklich empfehlen. Mit Rechnung und eigenem kleinen Test.
Von der Redaktion · Aktualisiert am
Kurz gesagt
Für die allermeisten Familien reicht JPEG in hoher Qualität. Es passt auf Fernseher, in Fotobücher und zu Google Fotos, TIFF dagegen meist nicht. TIFF lohnt sich nur in vier Fällen: für große Drucke einer Auswahl, für echte Restaurierung, wenn die Originale wegkommen, oder wenn die Sammlung ins Archiv soll.
Preise geprüft am 2. November 2026
Viele Ratgeber erklären JPEG und TIFF so, als ginge es um verlustfrei gegen verlustbehaftet und damit um gut gegen schlecht. Für Familienfotos ist das die falsche Frage. Entscheidend ist, was Sie mit den Bildern tun und was das Format am Ende kostet.
Was TIFF wirklich kostet
Bei MEDIAFIX steht TIFF mit 0,12 Euro pro Bild in der Preisliste. Eine Fußnote schränkt das ein: Bei Dias gilt das erst ab der Stufe Premium. Wer von Standard+ kommt, zahlt pro Dia also nicht 12, sondern 17 Cent mehr. Die größere Rechnung kommt danach beim Speicher.
| 1.000 Dias bei MEDIAFIX, ohne Versand | Standard+, JPEG | Premium, TIFF |
|---|---|---|
| Scan | 1.000 × 0,19 € = 190 € | 1.000 × (0,24 € + 0,12 €) = 360 € |
| Datenträger | USB-Stick 32 GB: 20 € | Festplatte 1 TB: 85 € |
| Zusammen | 210 € | 445 € |
| Platz pro Sicherungskopie | rund 16 GB | rund 350 GB nach MEDIAFIX-Angabe |
Das ist unsere eigene Rechnung nach der Preisliste. MEDIAFIX nennt für TIFF rund 350 MB pro Dia. Rechnerisch ergeben selbst die 6.200 dpi der höchsten Stufe bei 16 Bit nur rund 309 MB, bei Premium mit 5.000 dpi rund 100 MB mit 8 Bit und 201 MB mit 16 Bit. Fragen Sie vor der Bestellung, wie groß die Dateien werden und wie viele Bit sie haben. Bei CEWE gibt es ohnehin nur JPEG.
Was Sie mit TIFF im Alltag nicht können
Dieses Argument fehlt in den meisten Vergleichen. Google Fotos führt TIFF nicht unter den unterstützten Formaten und nimmt Dateien nur bis 200 MB an. In Samsungs Technikangaben für Smart-TVs stehen JPEG, PNG, BMP, MPO und HEIC, aber kein TIFF. Das Archivformat ist also genau die Datei, die dort oft nicht läuft, wo Familien sich die Bilder ansehen. Wer TIFF wählt, braucht für den Alltag ohnehin zusätzlich JPEG-Kopien.
Sieht man den Unterschied?
Am ganzen Bild auf dem Bildschirm meist nicht. In einer Auswertung im Vojnotehnički glasnik von 2024 lag die Grenze, ab der Betrachter einen Unterschied zum Original erkannten, je nach Motiv zwischen den JPEG-Qualitätsstufen 31 und 79, gehäuft bei 40 bis 45. Eine Stufe von 90 oder höher liegt also deutlich darüber. Die Studie testete allerdings keine Vergrößerungen und keine spätere Bearbeitung. Genau dort spielt TIFF seine Stärke aus.
Unser kleiner Test zum Speichern
Oft heißt es, ein JPEG verliere bei jedem Speichern an Qualität. Wir haben das am 3. November 2026 mit drei Bildern aus der Kodak-Testbildsammlung durchgerechnet. Gemessen wurde mit dem Maß PSNR gegen das verlustfreie Ausgangsbild, nach zehn Speichervorgängen.
| Zehnmal gespeichert in Qualität 95 | Verlust |
|---|---|
| Ohne Änderung | 0,08 bis 0,24 dB |
| Mit einer Verschiebung um 1 Pixel vor jedem Speichern | 3,1 bis 4,0 dB |
Eine Verschiebung steht dabei stellvertretend für Zuschneiden oder Drehen. Die Grenzen des Tests: Es waren nur drei Bilder mit 768 × 512 Pixeln von Foto-CD, also keine Dia-Scans mit Filmkorn, und PSNR ist ein Rechenmaß, kein Sehtest. Eine Vorabveröffentlichung von Bergmann, Brand und Riess (2025) stützt den ersten Teil: Auch dort ändert wiederholtes Speichern klassischer JPEGs den PSNR-Wert kaum. Die Regel ist damit einfach: Verändern Sie nie die Lieferdatei des Labors, sondern arbeiten Sie jedes Mal von einer Kopie.
Und was ist mit der Größe? Bei den Testbildern war ein JPEG in Qualität 90 bis 95 rund 4- bis 11-mal kleiner als ein unkomprimiertes TIFF. Eine Umwandlung von JPEG in TIFF macht die Datei also entsprechend größer, ohne dass ein Pixel besser wird.
Was Archive empfehlen und warum das nicht für Sie gilt
Alle folgenden Stellen schreiben für Institutionen, die Originale vielleicht nie wieder anfassen wollen oder einen gesetzlichen Auftrag haben.
- DFG, Praxisregeln von 2022: 4.000 ppi für Kleinbild und unkomprimiertes TIFF mit 16 Bit. Die Herleitung ist aufschlussreich: 80 Linien pro Millimeter, die Auflösung eines modernen Feinkorn-Diafilms.
- FADGI, US-Bundesbehörden, 2023: Die höchste Stufe nennt für Dias 3.960 ppi, TIFF oder JPEG 2000 und 16 Bit. Dieselbe Richtlinie nennt unkomprimierte TIFF-Master übermäßig groß und schlägt für die meisten Zwecke JPEG 2000 mit starker Kompression vor.
- Bundesarchiv, 2017: Farbmaster als TIFF mit 24 Bit, also 8 Bit pro Kanal, und rund 100 MB. Die oft gehörte Formel „Archive verlangen 16 Bit“ stimmt so nicht.
- KOST, Schweizer Archive, 2026: „JPEG kann wegen der Komprimierung als Archivformat nicht empfohlen werden.“ Das ist der klarste Satz gegen JPEG, und er stammt von einer Stelle, die Bestände für Jahrhunderte übernimmt.
- Library of Congress, 2025/2026: Führt JPEG unter den bevorzugten Formaten für digitale Fotografien, neben TIFF, JPEG 2000 und PNG. Das ist keine Scan-Vorgabe für Privatleute, zeigt aber, dass JPEG auch dort nicht als Notlösung gilt.
- nestor, 2007: Der einzige deutsche Rat an Privatleute, den wir gefunden haben, und entsprechend alt. Das Kompetenznetzwerk rät für dauerhaftes Aufbewahren zu TIFF, wegen des Speicherbedarfs aber nur für die wichtigsten Bilder.
Für Österreich haben wir keine eigene nationale Empfehlung gefunden.
Ihr Vorteil gegenüber einem Archiv: Das Dia liegt noch bei Ihnen. Sind Ihre Lieblingsbilder gut gelagert, lassen sich 50 davon später für rund 20 Euro als TIFF neu scannen (50 × 0,40 Euro bei MEDIAFIX Premium, dazu Versand und Datenträger), und zwar genau dann, wenn Sie wirklich einen großen Druck planen. Das schwächt das Argument „man digitalisiert nur einmal“.
Vier Fälle, in denen TIFF sich lohnt
- Große Drucke oder starke Ausschnitte von einer Auswahl. Bestellen Sie TIFF für 50 besondere Dias statt für alle. Bei MEDIAFIX sind das 6 Euro Aufpreis plus die Premium-Stufe.
- Stark verblasste Dias, die jemand wirklich restauriert. Baseline-JPEG arbeitet nach der Norm von 1992 nur mit 8 Bit. Nutzt ein ausgeblichenes Dia nur die Hälfte des Helligkeitsbereichs, bleiben pro Kanal 128 Stufen, bei 16 Bit 32.768. Das hilft aber nur, wenn das TIFF auch 16 Bit hat. Fragen Sie danach, die Anbieter nennen es auf den Seiten nicht.
- Die Originale kommen weg. Dann ist der Scan die neue Vorlage. Homa und Schlöder raten in der Handreichung der Verbraucherzentrale von 2023: Sind Originale im Zerfall, muss die Kopie entsprechend hochwertiger sein. Alles zum Thema unter Alte Dias entsorgen oder aufheben?.
- Die Sammlung soll in ein Archiv. Fragen Sie vorher, welches Format es dort sein soll.
Nicht lohnend ist TIFF, wenn Ihr einziger Grund lautet: „Das hält länger.“ Beide Formate stammen aus den frühen 1990ern und sind offen dokumentiert. Ein Beleg, dass JPEG unlesbar wird, ist uns nicht bekannt. Ein JPEG in drei Kopien ist zudem sicherer als ein TIFF auf einer alten Festplatte. Wie Sie das umsetzen, zeigt der Ratgeber zum sicheren Speichern von Fotos.
Und die neuen Formate?
HEIC, AVIF und JPEG XL komprimieren moderner, stehen aber nicht auf der Liste der Library of Congress. Bei JPEG XL hat sich gerade viel bewegt: Chrome ab Version 155 und Firefox ab Version 158 unterstützen es laut caniuse (Stand November 2026), Edge noch nicht. Unter Windows brauchen Sie dafür eine Erweiterung aus dem Store, die laut PCWorld JPEGs auch verlustfrei umwandeln und zurückwandeln kann. Sie verbauen sich mit JPEG heute also nichts. Für ein Familienarchiv empfehlen wir 2026 dennoch JPEG.
Datum und Bildtext: das eigentliche Archivproblem
Ein Dia hat keine Kamera-Daten. Ohne Ihr Zutun kennt die Datei höchstens das Scandatum, und das Foto von 1974 kann in Ihrer Bildersammlung leicht zwischen den Handyfotos von heute landen.
| Sie möchten festhalten | Feld |
|---|---|
| Aufnahmedatum | EXIF DateTimeOriginal, XMP photoshop:DateCreated |
| Scandatum | EXIF CreateDate |
| Bildtext | XMP dc:description, IPTC Caption, EXIF ImageDescription |
Drei Dinge, die viele nicht wissen:
- Ein ungefähres Datum geht nicht in EXIF. ExifTool erklärt: EXIF braucht Jahr, Monat, Tag und Uhrzeit, XMP auch nur das Jahr. Bei „Sommer 1974“ nehmen Sie also ein Datum als Platzhalter für EXIF und schreiben die wahre Angabe in den Bildtext.
- Die Abkürzung AllDates in ExifTool überschreibt mehrere Felder auf einmal, auch das Scandatum. Sie setzen dann besser nur DateTimeOriginal.
- Google Fotos schreibt Änderungen nicht unbedingt in die Datei. Laut Google kann ein heruntergeladenes Foto wieder das alte Datum zeigen. Schreiben Sie wichtige Angaben also vor dem Hochladen in die Datei.
Unter Windows genügt für den Anfang ein Rechtsklick auf die Datei und „Eigenschaften“, „Details“. Das empfehlen auch Homa und Schlöder. Für viele Bilder lohnt sich ein Programm. Wie gut die Felder bei den Labor-Dateien ausgefüllt sind, sagen die Anbieter nicht, und getestet haben wir es noch nicht. Prüfen Sie es bei Ihrer ersten Lieferung.
Was Sie jetzt tun
Bestellen Sie JPEG in einer Stufe ab rund 4.000 dpi. Warum das reicht, steht unter Welche Auflösung für Dias?. Lassen Sie die Lieferdatei unverändert und bearbeiten Sie nur Kopien. Fragen Sie das Labor nach der JPEG-Qualität, Bittiefe und dem Farbraum, denn keiner der geprüften Anbieter nennt sie vollständig. Die Preise für Ihre Menge zeigt der Preisrechner, die Anbieter der Anbietervergleich.
Haben Sie Kodachrome-Dias, fragen Sie auch, ob das Labor dafür ein eigenes Scan-Profil nutzt. Die FADGI-Richtlinie weist darauf hin, dass sich Kodachrome nicht mit einem Ektachrome-Target profilieren lässt. Für die Farben ist das wichtiger als die Frage, ob am Ende .jpg oder .tif im Dateinamen steht.
Häufig gestellte Fragen
Ist TIFF besser als JPEG?
TIFF speichert verlustfrei und mit mehr Farbabstufungen, wenn es 16 Bit hat. Im Alltag sehen Sie am ganzen Bild keinen Unterschied zu einem JPEG in hoher Qualität. TIFF hilft vor allem bei großen Drucken, starken Ausschnitten und aufwendiger Restaurierung.
Was kostet TIFF bei MEDIAFIX?
Laut Preisliste 0,12 Euro pro Dia, aber erst ab der Stufe Premium. Gegenüber Standard+ sind es damit 0,17 Euro mehr pro Dia. Bei 1.000 Dias kommen wir mit Speichermedium auf 445 statt 210 Euro, ohne Versand.
Wird JPEG irgendwann nicht mehr lesbar sein?
Dafür haben wir keinen Beleg gefunden. JPEG ist seit den 1990er-Jahren international genormt und sehr weit verbreitet. Archive lehnen JPEG als Archivformat wegen der verlustbehafteten Kompression ab, nicht wegen einer drohenden Unlesbarkeit.
Verliert ein JPEG bei jedem Speichern an Qualität?
Unverändert neu gespeichert kaum. In unserem kleinen Test mit drei Bildern sank die Bildtreue nach zehn Speichervorgängen nur um 0,08 bis 0,24 Dezibel. Mit einer Änderung vor jedem Speichern waren es 3 bis 4 Dezibel. Bearbeiten Sie deshalb immer eine Kopie der Originaldatei.
Kann ich aus einem JPEG später ein TIFF machen?
Ja, aber die Qualität wird dadurch nicht besser. Die Datei wird nur etwa vier- bis elfmal so groß. Verlorene Bildinformationen kommen nicht zurück.
Wie speichere ich das Aufnahmedatum in einem Scan?
In den Metadaten der Datei. Das Feld DateTimeOriginal steht für das Aufnahmedatum, CreateDate für das Scandatum. EXIF verlangt dafür ein vollständiges Datum. Ein ungefähres Datum wie 1974 lässt sich in XMP oder IPTC ablegen.