Alte Fotos, Dias und Negative richtig aufbewahren
Kühl, dunkel, trocken, in geschlossenen Kästen: Was Archive raten, welche Alben und Hüllen schaden, warum ein Hygrometer mehr hilft als jeder Tipp und wann der Gefrierschrank lohnt.
Von der Redaktion · Aktualisiert am
Kurz gesagt
Fotos, Dias und Negative halten am längsten dunkel, kühl und trocken in geschlossenen Kästen, in einem Innenraum oder Schrank, bei 30 bis 50 Prozent Luftfeuchte. Nicht auf den Dachboden, nicht in den feuchten Keller, nicht in selbstklebende Alben oder PVC-Hüllen. Messen Sie mit einem Hygrometer für rund 20 Euro nach, statt zu schätzen. Der Gefrierschrank lohnt sich nur für wenige Stücke.
Was hier steht, haben Archive vor allem für Sammlungen geschrieben. Wir haben es auf einen Haushalt übertragen und sagen, wo das unsere Einschätzung ist.
Warum Kälte und Trockenheit so viel ausmachen
Die Zahlen sind eindrucksvoll. Der US National Park Service (2009) gibt Werte des Image Permanence Institute wieder: So viele Jahre vergehen im Schnitt, bis sich Film deutlich verändert. Die Werte sind modelliert und gelten für Film, nicht für ein Familienalbum.
| Lagerung | Bis zur deutlichen Veränderung |
|---|---|
| 24 °C, 50 % Luftfeuchte | 25 Jahre |
| 24 °C, 30 % | 45 Jahre |
| 13 °C, 50 % | 105 Jahre |
| 13 °C, 30 % | 190 Jahre |
| 0 °C, 50 % | 625 Jahre |
| 0 °C, 30 % | 1.170 Jahre |
| −12 °C, 30 bis 50 % | über 3.700 Jahre |
Die Temperaturen hat der Park Service in Fahrenheit angegeben, wir haben umgerechnet. Der Unterschied zwischen warmem Wohnzimmer und kühlem Schrank ist also groß, und ein heißer Dachboden dürfte noch schlechter abschneiden als die erste Zeile. Passend dazu zeigte die Studie des dänischen Nationalmuseums, wie Dias von 1992 bis 2024 im Gefrierschrank fast unverändert blieben und im schwankenden Büroklima deutlich nachließen.
Bei Abzügen ist es laut Library of Congress vor allem die Feuchte, bei Farbmaterial und Film die Temperatur. Ab rund 70 Prozent Luftfeuchte können Schichten an Kunststoff festkleben.
Der richtige Platz in der Wohnung
Die Zielwerte. Das Northeast Document Conservation Center (2019) nennt für gemischte Sammlungen 30 bis 50 Prozent Luftfeuchte, möglichst unter 5 Prozentpunkten Schwankung pro Tag, bei höchstens 21 Grad. Die Archivare Homa und Schlöder schreiben in ihrer Handreichung (2023) offen, dass der Idealzustand mit rund 35 Prozent und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt im Haushalt nicht erreichbar ist. Umso wichtiger ist die Verpackung.
Wohin also? Dachböden sind laut NEDCC zu heiß und Keller zu feucht. Ein Schrank in einem Innenraum ist oft am besten. Meiden Sie Außenwände, Heizkörper, Lüftungen, und nach Homa und Schlöder auch Orte mit freiliegenden Wasserleitungen.
Messen statt schätzen. Gemessene Klimadaten für deutsche Dachböden oder Keller konnten wir nicht lesen, und jedes Haus ist anders. Viel nützlicher ist Ihre eigene Messung: Legen Sie ein Hygrometer je eine Woche an die infrage kommenden Stellen, einmal im Sommer und einmal im Winter. Das Canadian Conservation Institute weist darauf hin, dass solche Geräte um rund 5 Prozentpunkte abweichen können. Auch für Schimmel nennt dasselbe Institut Werte: Bei 80 bis 90 Prozent war er in 1 bis 5 Tagen sichtbar, bei 75 Prozent in 2 Wochen bis 3 Monaten, bei 65 Prozent in dreijährigen Versuchen nicht. Es empfiehlt, unter 60 Prozent zu bleiben.
Was in welche Verpackung gehört
| Material | So lagern | Vermeiden |
|---|---|---|
| Dias | In Pappkästen oder Magazinen, Rahmen ohne Glas | Alte PVC-Seiten, Licht, langer Projektor |
| Negative | Einzeln oder in Streifen in Papierhüllen, in geschlossener Box | Zusammen mit Abzügen, PVC |
| Abzüge | In säurefreien Umschlägen, Stapel bis 20 Stück gleicher Größe | Klebeband, Klammern, Kugelschreiber |
| Alben | Im Schuber oder in einem Karton mit Deckel | Selbstklebende Seiten, feuchte Räume |
| Sofortbilder | Einzeln, flach, im Dunkeln | Rand abschneiden, einfrieren |
Das stammt aus den Grundregeln des Sächsischen Staatsarchivs (2017), dem NEDCC, dem Canadian Conservation Institute und der Library of Congress. Bei einzelnen Punkten sind sie sich uneins:
- Papier oder Plastik? Das Staatsarchiv schreibt, Papier halte Licht ab und puffere das Klima, Kunststoff tue beides nicht. Das Canadian Conservation Institute (2020) zieht für Acetatfilm Papierumschläge vor, weil sie Zerfallsprodukte aufnehmen. Der Park Service lässt Kunststoffseiten aus Polypropylen zu, solange die Luftfeuchte unter 70 Prozent bleibt. Unser Fazit: für Negative lieber Papier, für Dias in der Hand durchsichtige Seiten ohne PVC, beide in einer geschlossenen Box.
- Ist Pergamin gut? Hier wird es merkwürdig. Deutsche Händler verkaufen Pergamin-Hüllen als säurefrei und in „Museumsqualität“. Das NEDCC rät von Glassine ab, und das ist der englische Name dafür. Auch das Staatsarchiv warnt vor altem Pergamin. Ob neue Hüllen die Prüfung bestehen, die hier zählt, haben wir nicht gefunden. Fragen Sie nach dem PAT nach ISO 18916. „Säurefrei“ allein sagt das nicht.
Selbstklebende Alben. Hier sind sich alle einig. Das NEDCC schreibt, die Seiten seien oft stark sauer und könnten sich dauerhaft mit dem Foto verbinden. Liegen Bilder schon so fest, lösen Sie sie nicht mit Gewalt. Lassen Sie die Albumseite als Ganzes digitalisieren. Das Album ist zudem selbst ein Stück Familiengeschichte, die Reihenfolge und Beschriftung erzählen mit.
Polaroids. Die University of Illinois warnt: Der weiße Rand darf nie abgeschnitten werden, er schützt das Bild und hält es zusammen. Sofortbilder bleichen zudem schneller.
Beschriften. Mit weichem Bleistift am Rand oder auf dem Umschlag, ohne Kugelschreiber, Filzstift oder Aufkleber. Das kostet nichts und hilft den Erben am meisten, denn mit den Namen stirbt sonst das halbe Bild.
Was Sie kaufen sollten
| Produkt | Preis | Hinweis |
|---|---|---|
| TFA Thermo-Hygrometer | 19,40 € | Genauigkeit nicht angegeben |
| MACO Negativhüllen 35 mm, 100 Blatt | 14,92 € | Pergamin, laut Shop säurefrei |
| Print File 35 mm, 100 Blatt | 49,90 € | Polyethylen, ohne PVC |
| Reflecta Universalmagazin, 4 × 50 | 26,44 € | Bei Abruf 1 bis 3 Wochen Lieferzeit |
Mehr braucht ein Familienarchiv nach unserer Einschätzung nicht: ein Hygrometer, geschlossene Kästen und Hüllen nur dort, wo Bilder lose sind. Oft reichen die vorhandenen Magazine, und die Sortierung nach Magazin spart im Labor sogar Geld.
Silicagel? Einen Konservator, der das für den Fotokasten zu Hause empfiehlt, haben wir nicht gefunden. Die Anleitung des Canadian Conservation Institute richtet sich an Museen und rechnet mit Kilomengen, und zu trockene Luft schadet ebenfalls: Laut den US National Archives kann das Material dann extrem spröde werden. Wir würden es lassen.
Der Gefrierschrank: nur für wenige Stücke
Kälte wirkt, wie die Tabelle zeigt. Aber ein Haushaltsgerät ist eine feuchte Umgebung: Der Park Service (2009) nennt beim Abtauen 65 bis 85 Prozent Luftfeuchte innerhalb einer Stunde, in richtiger Verpackung änderte sie sich nur um rund 1 Prozent. Der Tipp „ab ins Tiefkühlfach“ ohne Verpackung ist also die riskante Version.
Was hinein darf: Farbdias, Farbnegative und Acetatfilm profitieren laut Park Service besonders. Nicht hinein: Sofortbilder wie Polaroid, Glasplatten und Glasdias. Er empfiehlt aufrechte Geräte, am besten mit automatischer Abtauung, und häufig benutztes Material vorher zu scannen.
Die Verpackung, gekürzt nach Conserve O Gram 14/12:
- In einem Raum mit höchstens 50 Prozent Luftfeuchte packen und jede Box beschriften.
- Leeren Platz füllen, Indikatorkarte für die Luftfeuchte in die Box legen.
- In eine Sperrschichtfolie einschlagen, Luft ausstreichen, falten und kleben.
- Zweite Karte außen, darüber ein kräftiger Zipper-Beutel aus Polyethylen, zusätzlich zugeklebt.
- Alle drei Monate die Karten prüfen.
- Zum Herausnehmen: auf einem Handtuch liegen lassen und erst öffnen, wenn alles Zimmertemperatur hat, meist 8 Stunden oder über Nacht. Nie mit Wärme beschleunigen.
Der Aufwand ist hoch, und der Park Service schrieb 1998 sogar, Stücke höchstens einmal im Jahr aus der Kälte zu holen. Für die meisten Familien ist der kühle Schrank die vernünftige Lösung, und ein Scan ist die beste Versicherung. Bei Bildern, die wirklich unersetzlich sind, kann sich der Aufwand lohnen. Eine Kühlschrank-Lagerung neben den Lebensmitteln würden wir nicht empfehlen.
Wenn es schon riecht oder fleckig ist
Essiggeruch. Riechen Dias oder Filme nach Essig, zerfällt das Acetat. Die National Film Preservation Foundation nennt den Geruch das erste Zeichen, der Vorgang beschleunigt sich danach. Das Canadian Conservation Institute rät: abtrennen, möglichst kopieren, dann kalt lagern. Scannen Sie diese Stücke zuerst.
Schimmel. Betroffenes getrennt lagern, ohne Fungizide, und mit Vorsicht: Menschen mit Asthma oder Allergien sollten es nicht anfassen. Fragen Sie das Labor, bevor Sie etwas einschicken.
Staub. Die Library of Congress rät zum Blasebalg, nicht zu Druckluft aus der Dose, und warnt, dass auch weiche Pinsel kratzen können. Das Canadian Conservation Institute erlaubt immerhin einen weichen Pinsel für losen Schmutz. Wasser und Lösungsmittel sind zu Hause tabu. Im Labor kostet das laut MEDIAFIX-Preisliste 0,03 Euro pro Dia für Druckluft und 0,19 Euro für die Handreinigung. Gerahmte Glasdias sind ein Sonderfall.
Reihenfolge
Unser Rat: Erst scannen, dann gut lagern. Ein Scan schützt vor Feuer, Wasser und Zerfall, das Original schützt vor Datenverlust. Beide zusammen sind die Versicherung. Wie Sie die Dateien schützen, zeigt Fotos sicher speichern, was mit nicht mehr benötigten Originalen geschehen kann, Alte Dias entsorgen oder aufheben?. Die Kosten fürs Scannen berechnet der Preisrechner, die Anbieter stehen im Anbietervergleich.
Häufig gestellte Fragen
Wie bewahre ich alte Fotos am besten auf?
Dunkel, kühl und trocken, in geschlossenen Kästen, in einem Innenraum oder Schrank im Wohnbereich. Das NEDCC nennt 30 bis 50 Prozent Luftfeuchte bei höchstens 21 Grad. Meiden Sie Dachboden und Keller, selbstklebende Alben und PVC-Hüllen.
Wie lagere ich Dias richtig?
In Kästen oder Magazinen ohne Licht, nicht in alten PVC-Hüllen. Laut dem Sächsischen Staatsarchiv eignen sich Pappkästen, Hüllen aus Polyethylen, Polypropylen oder Polyester ohne Weichmacher und Rahmen ohne Glas. Die meisten Familien brauchen keinen Gefrierschrank.
Ist der Keller oder der Dachboden geeignet?
Nach dem NEDCC nicht: Dachböden sind zu heiß, Keller zu feucht. Auch die Archivare Homa und Schlöder raten davon ab. Ein Keller kommt für sie nur infrage, wenn das Klima stimmt und keine Wasserleitungen frei laufen. Messen Sie mit einem Hygrometer nach, es kostet rund 20 Euro.
Sind selbstklebende Fotoalben schädlich?
Ja. Library of Congress, NEDCC und Canadian Conservation Institute raten davon ab. Die Seiten sind oft sehr sauer und können sich dauerhaft mit dem Foto verbinden. Lösen Sie festgeklebte Bilder nicht gewaltsam, sondern scannen Sie die ganze Seite.
Darf ich Dias oder Negative einfrieren?
Für wenige wichtige Farb-Originale ist das eine anerkannte Methode, aber nur mit dichter Doppelverpackung nach Anleitung. Der US National Park Service schließt Sofortbilder wie Polaroid, Glasplatten und Glasdias ausdrücklich aus. Ein Beutel aus der Küche reicht nicht.
Wie reinige ich alte Dias?
Mit einem Blasebalg, nicht mit Druckluft aus der Dose, rät die Library of Congress. Auch weiche Pinsel können kratzen, Wasser und Lösungsmittel schaden. Im Labor kostet das Abblasen bei MEDIAFIX 0,03 Euro und die Handreinigung 0,19 Euro pro Dia.